Beiträge zu Gesellschaft & Kultur

Traudl Junge: Bis zur letzten Stunde

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Kategorie: Bücher

(05.02.14) Mit der Erinnerungsliteratur zum Nationalsozialismus ist es so eine Sache. Wer sich damit schon einmal etwas näher beschäftigt hat, weiss, wie schnell sich Aufklärungsanspruch und Schönfärberei zu verwischen neigen. Letzterer liegt zuweilen nicht einmal eine Täuschungsabsicht des Autors zugrunde, sondern ist vielmehr das unvermeidliche Produkt einer während Jahrzehnten unbewusst geleisteten Arbeit biografischer Dissonanzreduktion der Psyche.

Diesem Genre, um es einmal so zu nennen, ist also durchaus mit einer gewissen Skepsis zu begegnen. Das dachte ich mir auch, als ich Traudl Junges Erinnerungen an ihre Zeit als Sekretärin bei Hitler vor gut zehn Jahren geschenkt erhielt und es ungelesen ins heimische Bücherregal einreihte. Bereits 1947/48 aufgeschrieben, waren die Erinnerungen im Jahre 2002 kurz vor Junges Tod unter der kundigen Mitarbeit Melissa Müllers im Claassen Verlag als Buch erschienen.

Vor kurzem nahm ich das Buch mehr zufällig wieder einmal aus dem Regal und konnte es nicht mehr weglegen, bis ich es ganz gelesen hatte. Die Erinnerungen Junges lesen sich stellenweise zweifelsohne geradezu gespenstisch oberflächlich und naiv, vermitteln dem interessierten Leser aber ungemein atmosphärische Detailbeschreibungen des Alltags rund um Hitler und seine Entourage – sei es auf Reisen, auf dem Berghof oder im Führerbunker. Die von Melissa Müller geschriebene biografische Einleitung und das ausführliche Nachwort runden den Hauptteil des Buches mit den in der ursprünglichen Fassung wiedergegebenen Aufzeichnungen Junges aus dem Jahren 1947/48 ab.

Junge, T. (2002): Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben. Berlin, Claassen, 271 Seiten

Nach der Schreibpause

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Kategorie: Internes

(04.02.14) Dem aufmerksamen Leser ist der grosse zeitliche Abstand zwischen dem letzten und dem neuesten Beitrag in diesem Blog sicherlich nicht entgangen.

Warum diese Schreibpause?

Nun, mit der Demokratisierung des Publizierens verhält es sich meiner Meinung nach sehr ähnlich wie mit der Demokratisierung der Hochschulbildung: Mit dem Wegfall der einstigen Hürden hat das, was einst nur wenigen zugänglich war, stark an Wert verloren. Es dürfen jetzt zwar viel mehr, aber es ist kaum mehr etwas wert.

Daher habe ich mir vorübergehend eine Schreibpause gegönnt, wohlwissend, dass die Welt dadurch keineswegs aus den Fugen geraten würde…

Piraten, Piraten

Kategorie: Politik

(08.05.12) Seit die Piraten bei den Landtagswahlen im Saarland auf Anhieb die 5-Prozent-Hürde genommen haben, sind sie beliebtes Dauerthema in Politikteil und Feuilleton der grossen deutschen Blätter. Ihr respektables Ergebnis in Schleswig-Holstein rückt sie nun noch stärker in den Brennpunkt des Interesses.

Das weckt Erinnerungen. Vor etwas mehr als dreissig Jahren waren es die Grünen, die als alternative, neue Kraft am Horizont der Parteienlandschaft auftauchten, um in den darauffolgenden Jahren Ökologie, Geschlechterverhältnisse und gesellschaftliche Pluralität als bisher von den grossen Parteien nur marginal besetzte Themen zu einem festen Bestandteil des bundesrepublikanischen Themenhaushalts zu machen. Das in den Anfangsjahren der Partei zuweilen provokante Auftreten mancher Grüner (legendär in diesem Zusammenhang Joschka Fischers an die Adresse von Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen im Oktober 1984 gerichteter Zwischenruf: “Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!”) sorgte schon mal dafür, dass konservative Kommentatoren entsetzt aufschrien und das Ende des Abendlandes gekommen sahen. Doch all das ist lange vorbei. Heute haben die Grünen mit alternativer Gesellschaftskritik nichts mehr am Hut und gehören zu den etablierten Parteien. Die von Rudi Dutschke einst beschworene Strategie des “Langen Marsches durch die Institutionen” scheint stets in der Vereinnahmung durch das System und nicht in der Besetzung wichtiger Positionen in Politik und Gesellschaft und der Erringung einer gesamtgesellschaftlichen Diskurshoheit zu münden.

Ereilt die Piraten also in einigen Jahren das gleiche Schicksal wie die Grünen? Werden sie – als Hoffnungsschimmer all jener, die von der traditionellen Politik enttäuscht sind und sich die Freiheit des Netzes als Garant für eine bessere Gesellschaft auf die Fahnen geschrieben haben – mit der Übernahme politischer Verantwortung vom politischen System unweigerlich “rundgelutscht”, wie der ehemalige Bundesvorsitzende der Piraten, Sebastian Nerz, kürzlich in einem Interview sagte? Nein, diese Gefahr besteht nicht, denn die meisten von ihnen sind bereits perfekt rundgelutscht, geprägt von Wettbewerb und Leistungsdruck in Studium und Beruf sowie einer radikalen Entpolitisierung vieler Lebensbereiche. So überrascht es auch nicht, dass sich die aktuelle Führungsriege innerhalb der Piratenpartei bewusst meinungsneutral und vage gibt. Ihre eigene Lebenserfahrung und die Angst vor dem Shitstorm, der sie heimsucht, falls sie die “volonté générale” der Parteibasis missachtet, lässt sie jedes Profil vermissen. Bemerkenswert auch das in Interviews und TV-Talkrunden an den Tag gelegte politische Nichtwissen mancher Piraten. Es reicht eben nicht, die Gesamtheit der Welt durch die digitale Brille der “Generation Netz” deuten und verstehen zu wollen.

Fairerweise ist zu sagen, dass die Piraten aktuell noch ganz am Anfang stehen und erst noch die entsprechenden personellen, strukturellen und finanziellen Grundlagen schaffen müssen, um als Partei voll und ganz zu funktionieren. Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2013 wird schon in den nächsten Monaten ein deutlicher Professionalisierungsschub feststellbar sein. Dass sie in den Bundestag einziehen werden, ist ziemlich sicher, denn das Bedürfnis der Wählerinnen und Wähler nach einer Alternative ist riesig. Es fragt sich allerdings, ob die Piraten diese Alternative sind. Wir werden sehen…

USA: Schau Dich nicht um, der Kapuzenmann geht um

Kategorie: Politik, Gesellschaft

(27.03.12)  Ein Kapuzenpulli, ein schwarzer Teenager und ein Mitglied der Bürgerwehr. Ergebnis: ein toter Teenager. Wie das alles zusammenhängt? Gute Frage. Aber der Reihe nach.

Am Abend des 26. Februars 2012 wird der siebzehnjährige schwarze Teenager Trayvon Martin in Sanford, Florida, von einem Mitglied einer freiwilligen Bürgerwehr erschossen, als er kurz rausgeht, um während der Basketball-Halbzeit im nahen 7-Eleven etwas zum Knabbern zu holen. Der Täter beruft sich auf Notwehr, die Behörden glauben ihm. In einer beispiellosen Aktion gelingt es den Eltern jedoch, über eine Internet-Petition den Fall einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Es regt sich zunehmender Protest, der Bezirksstaatsanwalt Norm Wolfinger letztlich dazu veranlasst, eine Grand Jury einzusetzen, um den genauen Todesumständen des jungen Teenagers doch noch auf den Grund zu gehen. Die Ermittlungen sind im Gange.

Eine Geschichte, wie sie in den USA auch fast fünfzig Jahre nach dem Marsch auf Washington Alltag ist. Obgleich rassistische Vorurteile zwar nicht mehr durch einen breiten Mehrheitsdiskurs weisser Überlegenheit gesellschaftlich legitimiert sind, existieren sie im Alltag weiter. Der bekannte TV-Moderator Geraldo Rivera gab daher farbigen Jugendlichen im Frühstücksfernsehen von FOX News kürzlich den guten Rat, in Zukunft darauf zu verzichten, im Hoodie auf die Strasse zu gehen, da der Kapuzenpulli in der Bevölkerung so stark mit Kriminalität und Gewalt assoziiert würde, dass die Gefahr, darin als Bedrohung zu erscheinen und in der Folge von einem panischen Mitbürger erschossen zu werden, durchaus gegeben sei. Trayvon Martin trug einen Hooddie, als er starb.

Riveras Äusserung hat eine Debatte über Bekleidungsfragen ausgelöst, die bizarr anmutet, aber eine Entwicklung ins allgemeine Gedächtnis ruft, die Sozialpsychologen seit längerem Kummer bereit: nämlich die fortschreitende Stereotypisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen (z.B. in Form des täglich in Reality-Shows und Lokalnachrichten reproduzierten Bildes krimineller Jugendlicher schwarzer Hautfarbe) sowie eine immer prominentere TV-Berichterstattung über lokale Gewaltverbrechen und andere (vermeintliche) Bedrohungen aller Art. Eine Entwicklung, für die Soziologen wie Barry Glassner (1) oder Frank Furedi (2) vor einigen Jahren den mittlerweile populären Begriff der “Kultur der Angst” prägten.

Warum ist diese Entwicklung problematisch? Aus der Kognitionsforschung wissen wir: Menschliche Wahrnehmung arbeitet angesichts der beschränkten Informationsverabeitungskapazität des Gehirns mit verallgemeinernden Kategorieren, um die riesige Menge an über die Sinne aufgenommenen Informationen überhaupt bewältigen zu können. Mittels abstrakter, allgemeiner Wissensstrukturen, Schemata genannt, können Objekte und Ereignisse zwar sehr effizient gedeutet und verstanden werden, da kategoriales Denken aber dazu neigt, Ähnlichkeiten innerhalb einer Kategorie und Unterschiede zwischen Kategorien überzubetonen, sind kognitive Verzerrungen, also Fehler beim Wahrnehmen, Denken und Urteilen, die Folge. Gerade wenn eine Situation nur wenig Anhaltspunkte bietet, kann es geschehen, dass ein Schema aufgerufen wird, das sich als falsch erweist, was umso ungünstiger sein kann, als sich eine falsche Verknüpfung zwischen einem bestimmten Schema und einer bestimmten Situation nur bei entsprechend hoher Motivation in nützlicher Frist korrigieren lässt. Schemata sind also fehleranfällig und nicht leicht zu ändern.

Wer also ständig, um auf den Fall Martin zurückzukommen, die gleichen Bilder farbiger jugendlicher Verbrecher am TV präsentiert bekommt, wird mit der Zeit nur schon beim Anblick eines schwarzen jungen Mannes Angst empfinden. Zudem wird er Häufigkeit und Bedrohlichkeit von durch schwarze junge Männer verübten Verbrechen verfügbarkeitsheuristisch bedeutend höher einschätzen, als sie statistisch belegbar sind.

Medial verursachte kognitive Verzerrungen müssen nicht immer so tragisch enden wie in Sanford, aber sie vergiften nicht zuletzt das vertrauensvolle Zusammenleben in einer Gesellschaft auch dort, wo objektiv gesehen keine wirkliche Bedrohung vorliegt (z.B. in relativ sicheren, friedlichen Wohngegenden etc.).

Abschliessend sei bemerkt, dass ich immer ein überzeugter Befürworter des Second Amendments war und es nach wie vor bin. Das mag den einen oder anderen Leser, der in meinen Beiträgen eher linke Positionen zu entdecken weiss, erstaunen. In der Tat kann ich mich mit der amerikanischen Anti-Gun-Lobby (Bloomberg, Mayors Against Illegal Guns etc.) nicht anfreunden, da für mich der Freiheitsbegriff sehr wohl auch damit zu tun hat, das Recht zu haben, sich mit einer Waffe zu verteidigen.

(1) Glasser, Barry (2000): The Culture of Fear: Why Americans Are Afraid of the Wrong Things. Basic Books, 312 Seiten

(2) Furedi, Frank (2002): Culture of Fear: Risk Taking and the Morality of Low ExpectationContinuum International Publishing Group, 216 Seiten

Aurich, Beckenbach & Jacobsen: Reineckerland

Kategorie: Bücher

(09.03.12) Die Rezeption medialer Inhalte zu analysieren ist eine spannende Sache. So auch die Frage, warum Der Kommissar, den das ZDF zwischen 1968 und 1975 in 97 Folgen produzierte, eine so starke Faszination auf Millionen von TV-Zuschauern ausübte. Rolf Aurich, Niels Beckenbach und Wolfgang Jacobsen ist es zu verdanken, ein Buch herausgebracht zu haben, das zum ersten Mal das Gesamtwerk von Herbert Reinecker, dem Drehbuchautor der Serie, beleuchtet und interessante Zusammenhänge zwischen Reineckers eigener Biografie und der Wirkung seiner Drehbücher herstellt.

Warum also war Der Kommissar so erfolgreich? Sicherlich war da zunächst einmal die auf das Wesentliche reduzierte Ästhetik der Serie, die bis zur letzten Folge in Schwarzweiss gedreht wurde, obwohl das Farbfernsehen in der Bundesrepublik Deutschland bereits im Jahre 1967 eingeführt worden war. Das langsame Erzähltempo mit den typischen Dialogrepliken und dramaturgischen Pausen, die zu Herbert Reineckers Markenzeichen wurden, unterstrich dabei diese Reduktion. Da selbst kleine Nebenrollen mit bekannten Schauspielern, die fast alle vom Theater kamen, besetzt wurden, erreichten die Dialogszenen eine geradezu magische Intensität. Nebst  Besetzung und Ästhetik waren es aber vor allem die Geschichten selbst, die die Zuschauer in ihren Bann zogen. Stets mit einer guten Portion Ambivalenz, Widersprüchlichkeit und bedrohter Normalität versehen, liessen sie den existentiellen Abgrund förmlich aus dem TV-Bild herausspringen.

Dass Reinecker ein Flair für Abgründe hatte, erstaunt nicht, denn seine Biografie liest sich wie ein Spiegel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Im Mai 1945 ist Reinecker 30 Jahre alt und blickt auf das untergegangene nationalsozialistische Deutschland, für das er jahrelang mit Begeisterung geschrieben hatte: zuerst als Redakteur der Zeitschrift Jungvolk, dann als Schriftleiter in der Reichsjugendführung, später als Kriegsberichter der Waffen-SS. Am 5. April 1945 erscheint aus seiner Feder der letzte Leitartikel für Das Schwarze Korps.

Nach dem Krieg verliert sich seine Spur zunächst in der Provinz. Er schreibt für die Feuilletons einiger Zeitungen, wechselt dann aber zum Fernsehen, was sich als kluge Entscheidung herausstellt. Bald beginnt sein Aufstieg zum gefeierten Kino- und TV-Drehbuchautor. Mit dem riesigen Erfolg der Krimiserie Derrick, die in hundert Länder verkauft wird (darunter auch nach Israel), erklimmt Reinecker in den späten 1970er Jahren endgültig den Olymp des Unterhaltungsfernsehens. In den letzten Lebensjahren plagen ihn zunehmend Depressionen und Erinnerungen an den Krieg. 2007 stirbt er in seinem Haus am Starnberger See im Alter von 92 Jahren.

Letztlich blieb Herbert Reinecker nach 1945, wie er in einem Interview selbst einmal sagte, ein Heimatloser. Ein Autor, der in der Nachkriegszeit nie wirklich offen über seine Rolle im Dritten Reich sprach, sie aber auch nie verheimlichte. Ein Mann, der in seinen Geschichten oft Kritik am Wertezerfall der modernen Gesellschaft übte, aber genau wusste, dass die Ideale, an die er in seiner Jugend im Dritten Reich geglaubt hatte, durch Krieg und Massenmord jegliche Legitimität verspielt hatten.

Seine unvollendet gebliebene Aufarbeitung persönlicher Schuld und Verstrickung schlägt sich deutlich in seinen Geschichten nieder, die stets ein widersprüchliches und ambivalentes Bild des Menschseins zeichnen. Nicht zuletzt diese Widersprüchlichkeit ist es, die die 97 Folgen der Kommissar-Serie so einzigartig macht und über das Niveau eines gewöhnlichen Krimis hinauswachsen lässt.

Buch:

Aurich, R., Beckenbach, N. & Jacobsen, W. (2010): Reineckerland – Der Schriftsteller Herbert ReineckerMünchen, Edition Text und Kritik, 329 Seiten

Über wissenschaftliche Objektivität

Kategorie: Gesellschaft

(07.03.12) Als ich neulich in der Strassenbahn sass, unterhielten sich hinter mir zwei Schüler über die Frage, wie sich Objektivität auf die Gesellschaft auswirke. Nachdem sie einige Minuten über das Thema diskutiert hatten, fasste einer der beiden seinen Standpunkt mit den Worten zusammen: “Wissenschaftliche Objektivität ist das einzige Mittel, um eine demokratische Gesellschaft vor politischem Missbrauch zu schützen.”

Ein bemerkenswerter Satz aus zwei Gründen: Erstens hob er sich geradezu erstaunlich vom banalen akustischen Alltagsraum der Strassenbahn ab. Zweitens weckte er meine Erinnerung an all die wunderschönen dichotomen Begriffspaare, mit denen ich mir als junger Mensch die Welt begreifbar zu machen versuchte. “Wahrheit-Unwahrheit” war damals besonders wichtig für mich. Ich war überzeugt, dass sich Wahrheit über wissenschaftliche Objektivität herstellen liesse. Unwahrheit war, so dachte ich, schlicht ein residualer Effekt mangelnder Bildung und allgemeiner Ignoranz, wo sie denn nicht aus einer bestimmten malignen Intention heraus bewusst propagiert wurde. Vermittelt wurde mir diese Ansicht nicht zuletzt auch von meinen Lehrern, die einer Generation angehörten, für die wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt untrennbar miteinander verbunden waren.

Relativ lange hielt ich unreflektiert an dieser Ansicht fest. Dann kam das Internet, das ich ab 1994 zu nutzen begann, und ein 2004 anlässlich des zwanzigsten Todestages von Michel Foucault erschienener Essay zum Werk des französischen Philosophen und Soziologen. Das eine bereitete sozusagen den Boden zur Rezeption des anderen vor, mag dazwischen auch ein Zeitraum von zehn Jahren liegen.

Das Internet hat zu einer tiefgreifenden Demokratisierung des Informationskonsums und der Informationsverbreitung geführt. Wer mag, kann sich heute über ein bestimmtes Thema informieren und sich mit anderen darüber austauschen, ohne dass er dafür auf die klassischen Informationsbroker (z.B. Lehrer, Professoren, Experten, Bibliotheken, klassische Leitmedien etc.) zurückzugreifen braucht. Es stehen ihm eine riesige Auswahl an unterschiedlichsten Informationsquellen zur Verfügung, in denen nicht selten Meinungen und Ansichten vertreten werden, die sich deutlich vom gesellschaftlichen Mainstream abheben.

Foucault wiederum gereicht es zum Lob, sich unter anderem intensiv mit Machtpraktiken befasst zu haben, die auf den ersten Blick nicht als solche erkannt werden. Ein interessantes Beispiel sind wissenschaftliche Objektivität und Expertentum, die Foucault stets kritisch hinterfragte. Für ihn ist wissenschaftliche Objektivität ein Mythos und nichts anderes als eine diskursive Machtpraktik, die dazu benutzt wird, eine wissenschaftlich begründete Grenze zwischen dem, was zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort für wahr oder falsch zu gelten hat, zu ziehen. Zulassungsbeschränkungen, Diplome, Fachsprache etc. sorgen dafür, dass bestimmte Teilnehmer und Inhalte dabei gar nicht erst zum Diskurs zugelassen werden. (1) Indem etwas zum wissenschaftlichen Fakt erklärt wird, wird es der gesellschaftlichen Diskussion entzogen. Wissenschaft  ist so nicht die Prämisse zur Wahrheit, sondern vielmehr ein raffiniertes Vehikel zur Durchsetzung bestimmter Interessen unter Vortäuschung von Objektivität und Interessenneutralität.

Gerade in einer Zeit, in der der normative Druck im Hinblick auf eine mit den Anforderungen von Mobilität und Globalisierung kongruenten Lebensführung steigt und gesellschaftspolitische Probleme zunehmend von Ökonomen kommentiert werden, sollten wir uns vor scheinbar allzu plausiblen wissenschaftlichen Erklärungen in Acht nehmen, denn nicht selten sind sie nicht so objektiv und interessenfrei, wie sich sich gerne darstellen.

(1) Foucault, M. (1974): Die Ordnung des Diskurses, München, S. 35 ff.

Die Angst des Bürgers vor der Regelverletzung

Kategorie: Gesellschaft

(27.02.12) Kaum jemand hat das Konzept der begrenzten Regelverletzung so auf den Punkt gebracht wie der Schriftsteller Peter Schneider, der anlässlich eines Sit-ins im Audimax der Freien Universität Berlin im April 1967 zu den versammelten Studentinnen und Studenten sagte:

“Wir haben in aller Sachlichkeit über den Krieg in Vietnam informiert, obwohl wir erlebt haben, dass wir die unvorstellbaren Einzelheiten über die amerikanische Politik in Vietnam zitieren können, ohne dass die Phantasie unserer Nachbarn in Gang gekommen wäre, aber dass wir nur einen Rasen betreten zu brauchen, dessen Betreten verboten ist, um ehrliches, allgemeines und nachhaltiges Grauen zu erregen. [...] Da sind wir auf den Gedanken gekommen, dass wir erst den Rasen zerstören müssen, bevor wir die Lügen über Vietnam zerstören können, und [...] dass wir gegen den ganzen alten Plunder am sachlichsten argumentieren, wenn wir aufhören zu argumentieren und uns hier in den Hausflur auf den Fussboden setzen. Das wollen wir jetzt tun.” (Zitiert nach: Schneider, P. (2008): Rebellion und WahnKöln, Kippenheuer & Witsch, S. 136-137)

Mit seiner als “Rasen-Rede” in die Protestchronik der 1968er-Bewegung eingegangenen Ansprache schilderte Schneider nicht nur sehr pointiert, wie eine Regelverletzung benutzt werden kann, um über das Eigentliche zu sprechen, sondern stellte auch eine Eigenschaft bloss, die jeder bürgerlichen Gesellschaft inhärent zu sein scheint: nämlich die träge Gleichgültigkeit gegenüber allem, was ausserhalb der geographischen und symbolischen Grenzen bürgerlicher Gemeinschaft geschieht, begleitet von einer permanenten latenten Angst, an der Inszenierung von Bürgerlichkeit persönlich zu scheitern, als ob der Leitspruch gälte: Mag die Welt da draussen auch in Flammen stehen, uns geht das nichts an, doch wehe dem, der es wagt, unsere Inszenierung von innen zu stören.

Es liegt auf der Hand, dass die Missachtung eines “Rasen betreten verboten”-Schildes heute kaum mehr provoziert. Die Fragilität der bürgerlichen Gesellschaft als Bedingung für das Wutpotential des Bürgers im Hinblick auf (zuweilen auch bloss vermeintliche) Regelverletzungen gilt allerdings unverändert, wenn auch die Ursachen dieser Fragilität heute andere sind. Am Beispiel der Bundesrepublik lässt sich dieser Punkt wunderbar veranschaulichen: Während in den 1960er Jahren die Inszenierung bundesrepublikanischer Bürgerlichkeit aufgrund unvollständiger Vergangenheitsbewältigung, verdrängter Schuld und einer im kollektiven Gedächtnis nach wie vor sehr wirksamen Erinnerung an Krieg und Drittes Reich latent bedroht war, sieht sie sich heute neuen Bedrohungskategorien wie Globalisierung, demographische Entwicklung, Klimawandel, geopolitische Verschiebungen etc. gegenüber. Damals wie heute braucht es daher nur wenig, um die schweigende Mehrheit aus der Fassung zu bringen und nach radikalem Durchgreifen verlangen zu lassen.  Und damals wie heute sind die Boulevardmedien stets zur Stelle, um das “gesunde Volksempfinden” in die “richtige” Richtung zu lenken.

Es mag sein, dass die Angst des Bürgers vor der Regelverletzung nichts anderes ist als sein Unbehagen, wie Sartre sagen würde, vor seiner eigenen Kontingenz, der er nicht entkommen kann, der er sich aber zumindest durch eine bürgerliche Fassade eine Zeit lang zu entziehen versucht. Immer wieder neu zu reflektieren ist auf jeden Fall die Frage, inwieweit diese Angst, die von manchen Medien so gerne geschürt wird, als Instrument der Menschenführung eingesetzt wird.

Der Geist von Philadelphia in Zeiten der Globalisierung

Kategorie: Gesellschaft, Politik

(23.02.12) Alain Supiots wunderbares kleines Buch* über die Erklärung von Philadelphia hat mich dazu inspiriert, die von der Internationalen Arbeitsorganisation im Jahre 1944 verabschiedete Erklärung einmal ganz zu lesen. Als Gründungsdokument moderner Sozialstaatlichkeit atmet sie die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gemachten Erfahrungen ungeheurer politischer und gesellschaftlicher Verwerfungen, postuliert soziale Gerechtigkeit und faire Arbeitsbedingungen als Grundlage für dauerhaften Frieden und allgemeine Prosperität.

Wer das Dokument heute liest, stellt fest, dass im gegenwärtigen gesellschafts- und ordnungspolitischen Diskurs kaum mehr etwas  vom Geist von Philadelphia zu spüren ist. Wo ist er geblieben? In den letzten drei Jahrzehnten wurde er durch eine geradezu groteske Verklärung eines angeblich unfehlbaren freien Marktes verdrängt. Was die Chicagoer Schule seit den 1930er Jahren gepredigt hatte, wurde in den 1980er Jahren unter Ronald Reagan in den Vereinigten Staaten und Margaret Thatcher in Grossbritannien beherzt in die Tat umgesetzt und erlangte, beflügelt durch den Untergang des unglücklichen real-sozialistischen Experiments, nach und nach in ganz Europa den Status einer obersten wirtschaftspolitischen Maxime. Die jüngsten Erschütterungen durch Finanz- und Bankenkrise haben den Geist von Philadelphia zwar zumindest in den Feuilletons der grossen Leitmedien teilweise wieder etwas ins allgemeine Bewusstsein gerückt, aber das ist vorläufig auch schon alles.

Das Dokument von 1944 ist besonders deshalb so wichtig, weil es vor dem Hintergrund der schrecklichen Folgen eines entfesselten Szientismus formuliert wurde, der, etwas vereinfacht gesagt, zwei Hauptströmungen umfasste: eine biologisch-anthropologische und eine historisch-ökonomische. Die eine mündete in Rassenlehre und Massenvernichtung im Dritten Reich, die andere trieb in Gestalt des dialektischen Materialismus in der Sowjetunion und anderen “sozialistischen” Staaten ihr Unwesen. Beiden gemeinsam war eine rücksichtslose Verdinglichung des Menschen sowie ein fanatischer Glauben daran, dass sich mit naturwissenschaftlichen Methoden die Fragestellungen aller gesellschaftlichen Bereiche beantworten lassen, wenn sie denn nur konsequent genug angewendet werden. Die Verfasser der Erklärung von Philadelphia bezogen eine moralische Gegenposition, indem sie den Wert und die Bedürfnisse des einzelnen Menschen wieder in den Mittelpunkt stellten.

Die Analogie zu heute liegt auf der Hand: Was ist die zunehmende Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die den Menschen zu einem Produktionsfaktor erklärt, den es möglichst gewinnbringend einzusetzen gilt, denn anderes als szientistisches Denken im neuen Gewand?  Weil uns die mahnende schreckliche Erfahrung früherer Generationen fehlt, neigen wir dazu, diese neue Verdinglichung des Menschen nicht als solche zu sehen, was ein Fehler ist. Denn: Mag ihre Schrecklichkeit auch nicht so augenfällig sein, trägt sie dieselbe gefährliche Menschenverachtung in sich wie ihre Vorgängerin.

* Supiot, Alain (2011): Der Geist von Philadelphia. Soziale Gerechtigkeit in Zeiten entgrenzter Märkte. Hamburger Edition, 143 Seiten. Aus dem Französischen von Ilse Utz.

Von Wulff zu Gauck – Der Tanz der Charaktermasken

Kategorie: Politik

(21.02.12) Es darf angenommen werden, dass Joachim Gauck als zukünftiger deutscher Bundespräsident integrer sein wird als sein unglücklicher Vorgänger. Gauck hat eine Biografie, mit der man sich als politischer Mensch gerne auseinandersetzt. In  seiner Rolle als ehemaliger evangelisch-lutherischer Pastor, DDR-Bürgerrechtler zur Wendezeit und Beauftragter für die Stasi-Unterlagen von 1990 bis 2000 blickt er auf eine persönliche Wirkungsgeschichte zurück, auf die er stolz sein darf, was er in Interviews und Talkrunden auch gerne zeigt und dabei zuweilen etwas zu selbstsicher wirkt. Er wird zur Rehabilitierung des Amtes des Bundespräsidenten zweifelsohne einen Beitrag leisten. Bundeskanzlerin Merkel hätte sich in der jetzigen Situation für das Land keinen Besseren wünschen können – von den durch den Kürkrimi um den künftigen Bundespräsidenten verursachten koalitionsinternen Verstimmungen und gewissen umstrittenen Aussagen Gaucks einmal abgesehen.

Bemerkenswert ist, wie die Rezeption der Person Gaucks in der Bevölkerung stark an diejenige Obamas vor seinem Amtsantritt erinnert. Obgleich sich das Amt des deutschen Bundespräsidenten und dasjenige des amerikanischen Präsidenten im Hinblick auf ihre politische Machtausstattung klarer nicht unterscheiden könnten, sind die Erwartungen, die an die Person im Amt gestellt werden, in beiden Fällen erstaunlich ähnlich. So wie mancher US-Bürger in Obama fast messianische Hoffnungen für ein besseres Amerika setzte, verspricht sich mancher Bundesbürger angesichts von Finanz- und Euro-Krise vom neuen Bundespräsidenten das, was er als Person ex officio gar nicht zu leisten vermag. Darin liegt, so denke ich, eine gewisse Symptomatik, die sich in allen westlichen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts bemerkbar macht.

Mit anderen Worten: Viele Menschen begreifen politische und geschichtliche Ereignisse nur noch als die Geschichte von Personen und erwarten sich von diesen Charaktermasken, wie Rudi Dutschke in Anlehnung an den alten Marx gerne zu sagen pflegte, Dinge, die sie nicht leisten können und nicht leisten wollen, da sie Teil des Systems sind. Zweifelsohne kann in bestimmten historischen Situationen die symbolische Wirkungskraft einzelner politischer Akteure enorm sein (als Beispiel seien der Kniefall von Warschau von Willy Brandt, der damals die Entspannungspolitik massgeblich voran brachte, genannt, oder auch die Kennedy-Rede in Berlin anlässlich des 15. Jahrestages der Berliner Luftbrücke als unmissverständliche Botschaft an die damalige UdSSR, dass Westberlin ein Teil des freien Westens sei), doch in der Regel ist die politische Gestaltungsfreiheit von Personen durch das System, sofern es einigermassen stabil ist, klar vorgegeben, was diese Personen auch wissen.

Gauck scheint ferner von seinen Erlebnissen in der ehemaligen DDR nach wie vor so geprägt zu sein, dass er den Begriff der “Freiheit”, die er auch bewusst auf die Märkte bezieht, in geradezu verblüffender Weise verklärt und nicht zuletzt der Occupy-Wallstreet-Bewegung im Gegensatz zu den “Montagsdemonstrationen” in der späten DDR keine Ernsthaftigkeit in der Argumentation zugesteht.  So wird denn alles beim Alten bleiben, mit dem Unterschied vielleicht, dass Joachim Gauck zumindest aufgrund seines Intellekts und seines Habitus einen etwas würdigeren Bundespräsidenten abgeben wird, als dies von Christian Wulff behauptet werden konnte.

Vor 45 Jahren: S-Bahn-Peter klingelt bei der Kommune 1

Kategorie: Geschichte

(20.02.12) Peter Urbach, der bei Mitgliedern der antiautoritären Szene aufgrund seiner früheren Beschäftigung bei der S-Bahn den Spitznamen “S-Bahn-Peter” erhielt, gehört zweifelsohne zu den schillerndsten Figuren der 68er-Bewegung.

Als Urbach im Jahre 1967 zum ersten Mal bei der Kommune 1 in Berlin auftaucht, verblüfft er so manchen Kommunarden durch sein kleinbürgerliches Aussehen, das so gar nicht zu Klassenkampf und subversiven Aktionen passen will. Doch sein Geschick im Basteln von Sprengsätzen und Hantieren mit Waffen lässt ihn in der Szene schon bald zum gefragten Experten werden.

Was viele damals nicht ahnen: Als Agent des Berliner Verfassungsschutzes hat Urbach den Auftrag, Informationen über den militanten Kern der antiautoritären Szene in West-Berlin zu sammeln. Bei dieser Gelegenheit stiftet er aktiv zu gewaltsamen Aktionen an und liefert dazu auch gleich die passenden Molotowcocktails und Sprengsätze. Anfang 1970 wird “S-Bahn-Peter” enttarnt, sagt einige Monate später noch im Prozess gegen Horst Mahler wegen Beihilfe bei der Gefangenenbefreiung von Andreas Baader aus und verschwindet dann unter neuer Identität auf Nimmerwiedersehen.

Vor dem Hintergrund der oft diskutierten Frage, ob die spätere RAF kontingent aus der Peripherie einer orientierungslos gewordenen 68er-Bewegung entstanden oder vielmehr aus deren Zentrum gekommen sei, ist die Urbach-Geschichte nicht uninteressant, denn sie zeigt, wie von staatlicher Seite mit Hilfe eines “agent provocateur” wie Urbach versucht wurde, latent vorhandene Gewaltbereitschaft in offene Gewalt überzuführen, um so die Bewegung zu diskreditieren und strafrechtlich gegen ihre Exponenten vorgehen zu können. Diese verdeckten Aktionen haben ihren Teil zur Radikalisierung der Szene beigetragen, wobei unklar bleibt, wie wirksam sie letztlich waren.

Mögen zwischen den damaligen Ereignissen und heute auch mehr als vier Jahrzehnte dazwischenliegen: Das dahinterliegende Prinzip bleibt aktuell und mahnt zur Skepsis vor einem allzu unbeschwerten Umgang mit scheinbar plausiblen Deutungsmustern politischer Radikalisierung und Gewalt.

Wulff-Affäre: Ein Lehrstück über Freiheit

Kategorie: Politik, Gesellschaft

(17.02.12) Es liegt schon eine besondere Pikanterie darin, wie ein sich grossbürgerlich in Szene setzender deutscher Bundespräsident ausgerechnet über den rechtschaffenen Traum, ein Eigenheim zu besitzen, gestolpert ist.

„Um Gottes willen, nicht noch ein Artikel über die Wulff-Affäre, von der wir nun schon seit so vielen Wochen in geradezu wüster Weise gelangweilt werden“, werden Sie jetzt vielleicht denken. Doch ich glaube, dass es sehr wohl lohnt, noch ein paar Gedanken an die Geschichte zu verschwenden, da sie eines auf den Punkt bringt: Mag jemand, um mit Bourdieu zu sprechen, noch so viel soziales, kulturelles und symbolisches Kapital besitzen: Wer nicht über eine ausreichende Menge an ökonomischem Kapital verfügt, bleibt letztlich, ob deutscher Bundespräsident oder einfacher Facharbeiter, abhängig, verletzlich und unfrei.

Es ist vermutlich eines der historisch bemerkenswertesten Meisterstücke des Kapitalismus im 20. Jahrhundert, die alten Klassenantagonien in unserer Gesellschaft überwunden und bis heute grössere systemgefährdende Verwerfungen vermieden zu haben. Er bediente sich dabei einer geschickten Doppelstrategie: Einerseits wurden, nicht immer ganz freiwillig, die noch heute existierenden grossen Sozialversicherungswerke, Personalvorsorgekassen etc. geschaffen, auf der anderen Seite bekamen Arbeiter und Angestellte eine geradezu messianisch anmutende Verheissung offenbart: „Konsumiere und Du kannst so leben wie ‚die da oben’. Mit viel Fleiss überwindest Du Deine Herkunft, wohnst eines Tages gutbürgerlich im eigenen Haus mit Garten und bist glücklich.“ Und siehe da, eine gewisse Zeit lang sah es auf den ersten Blick auch fast so aus, als ob sich der Traum erfüllte: Der Wohlstand kam, die Proletarisierung wanderte in die Entwicklungsländer aus und der Traum von allgemeiner Prosperität und Lebensglück schien in greifbare Nähe gerückt. Bis vor einigen Jahren wollte und konnte so mancher unter uns noch an diesem Traum festhalten. Heute wissen wir, dass er durch Globalisierungsdruck, geostrategische Verschiebungen, demografische Entwicklung und extreme Ökonomisierung aller Lebensbereiche in den westlichen Gesellschaften akut bedroht ist und nicht mehr lange aufrechtzuhalten ist.

Vielleicht ganz gut so, denn letztlich war es eben nur ein Traum, dem so viele aufgesessen sind. Eine Täuschung geradezu, der sich das kapitalistische System in geschickter Weise bediente, um von der traurigen Wahrheit abzulenken, dass die Kluft zwischen Arm und Reich unverändert riesig ist und echte Freiheit (wenn wir mal von der “inneren Freiheit” und ähnlichen Konzepten absehen) nur mit sehr, sehr viel Geld zu haben ist. Denn: Was nutzen Eigenheim, schöne Autos und tolle Reisen, wenn wir letztlich von der Quelle abhängig sind, aus der das Geld stammt. So lange diese Abhängigkeit wie bei Christian Wulff vorhanden ist, bleiben wir unfrei und abhängig wie einst der einfache Arbeiter am Fliessband.

Gedanken zur Identitätsbildung

Kategorie: Gesellschaft

(16.02.12) Vor etwas mehr als 20 Jahren habe ich erlebt, wie mein Grossvater quasi übernacht seine Identität als italienischer Altkommunist verlor, als sich Parteichef Achille Occhetto daran begab, die Kommunistische Partei Italiens im Hinblick auf die durch die historischen Ereignisse als diskreditiert geltende kommunistische Ideologie in die neue Demokratische Partei der Linken überzuführen. Ich verstand plötzlich, wie sehr mein Grossvater seine gesamte Identität aus seiner Parteimitgliederkarte, aus den “geheiligten Erzählungen der Oktoberrevolution” (Kertzer, 1996) und aus einem allgemeinen Gefühl, der Avantgarde der Geschichte anzugehören, geschöpft hatte. Mit der Neuorientierung der Partei verlor er einen zentralen Bezugspunkt im Leben. Bis zu seinem Tod einige Jahre später erholte er sich von diesem Identitätsverlust nicht mehr.

Diese kleine Episode lehrte mich drei Dinge zum Thema Identität: Identität ist fragil, lässt sich nicht so einfach neu erfinden und wird sehr oft aus einem bestehenden symbolischen Inventar geschöpft. Echte Handlungsfreiheit bei der Identitätsbildung ist daher nur sehr eingeschränkt gegeben.

Daher gefällt mir auch der Ansatz von Althusser so gut, der sagt, dass wir unsere eigene Identität nicht aus dem Nichts kreieren, sondern vielmehr von bestehenden “Identitätspositionen” und den mit ihnen in Zusammenhang stehenden Symbolinventaren dazu eingeladen werden, eine bestimmte Position für uns zu prüfen, anzunehmen und sie uns überzustülpen (Althusser, 1971). Mein Grossvater stand nach dem erlittenen Identitätsverlust vor dem Problem, dass er keine alternative bzw. neue Identitätsposition sah, die ihm attraktiv genug erschienen wäre, um die alte damit zu ersetzen.

Besonders drastisch erleben wir unseren Mangel an Handlungsfreiheit dann, wenn unsere Identität umfassend angegriffen wird, wie dies jüdischen Personen im Dritten Reich widerfuhr, als sie zur Outgroup erklärt, zunehmend entrechtet und letztlich verfolgt und umgebracht wurden. In dieser Situation hatten sie überhaupt keine Handlungsfreiheit im Umgang mit ihrer Identität. Eine Anpassung oder Neuerfindung ihrer Identität war ihnen verwehrt, denn die Ingroup (das “deutsche Volk”) bot ihnen keine alternativen Identitätspositionen an, die sie hätten annehmen können. Als einziger Ausweg blieben somit Flucht, Emigration oder jahrelanges Verstecken. Dies zeigt auf sehr prägnante Weise, wie in gewissen historischen Situationen strukturelle Kräfte jegliche indentitätsbezogene Autonomie verunmöglichen.

Unsere Abhängigkeit von Gesellschaft und Mitmenschen im Hinblick auf unsere Identitätsbildung kann zuweilen allerdings auch im positiven Sinne wirken. Erwähnt sei an dieser Stelle die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA mit ihrem Kampf  um Gleichberechtigung, die nicht zuletzt deshalb so an Dynamik gewinnen konnte, weil sie auf eine weisse Gesellschaft traf, in der wichtige Akteure der Veränderung bereits aktiv waren oder noch aktiv werden sollten (Intellektuelle, Künstler, Great Society-Programm etc.).

Nach wie vor erinnert uns die Biologie besonders dezidiert daran, dass wir nur bedingt Herr unserer eigenen Identität sind. So bestimmt unser Geschlecht, wie wir von unseren Eltern erzogen werden, welche Verhaltensmuster die Gesellschaft von uns erwartet, welche Eigenschaften geschätzt werden und so weiter. Spannend die Frage, in welche Richtung es in Zukunft gehen wird: Fallen die biologischen Einschränkungen aufgrund medizinischer und medizintechnischer Fortschritte zunehmend weg oder werden sie eventuell durch eine unegalitäre Verteilung von “Body-Modification-Ressourcen”, um sie mal so zu nennen, gar um ein Vielfaches verstärkt?

Althusser, L. (1971): Lenin and Philosophy, and Other Essays. London, New Left Books

Kertzer, D. (1996): Politics and Symbols. New Haven, Yale University Press

Woodward, K. (2004): Questioning Identity: Gender, Class, Ethnicity. Milton Keynes, OU Press

Griechenlandkrise und Objektivität der Berichterstattung

Kategorie: Politik

(14.02.12) Die Intensität der Proteste in Griechenland über das Wochenende hat gezeigt, wie gross Wut und Enttäuschung in der Bevölkerung mittlerweile sind. Das griechische Kabinett liess sich davon nicht beirren und billigte die Sparpläne. In nüchternen Zahlen heisst dies: Entlassung von 150’000 Staatsbediensteten bis 2015, Einfrieren der Löhne, Senkung des Mindestlohnes, der aktuell 4.28 Euro (1) beträgt, um 22% bzw. 32% (für unter 25-Jährige), Wegfall von Lohnzuschüssen, Rentenkürzungen, Senkung des Arbeitslosengeldes und Privatisierung von Staatsbesitz (2). Die Erlöse aus den geplanten Einsparungen und Privatisierungen sollen bis 2015 gut 35 Milliarden Euro betragen.

Die Troika aus EZB, EU und IWF bürdet damit der griechischen Bevölkerung eine ungeheure Last auf, während griechische Spitzenverdiener weiterhin 45 Milliarden Euro allein auf Schweizer Bankkonten am griechischen Fiskus vorbei geparkt haben, Zinseinkünfte und Kapitalgewinne unbesteuert bleiben, Spitzeneinkommen (wenn sie denn überhaupt versteuert werden) durch degressive Besteuerung de facto bevorzugt werden und die geplante Privatisierung von Staatseigentum gewisse Investoren reich machen wird, während sie die Preisstabilität, auf die sich die EZB als ihr quasiheiliges Ziel so gerne beruft, aufgrund von Preiserhöhungen in der Infrastruktur, auf dem Wohnungsmarkt und bei anderen Lebenshaltungskosten negativ beeinflussen wird. (3) Unzählige Gering- und Mittelverdiener werden in den nächsten Monaten und Jahren durch die beschlossenen Austeritätsmassnahmen in Prekarität und Elend gestürzt, während die griechischen Eliten direkt nichts zu befürchten haben, ja mit geschickten Investitionsstrategien von der Krise sogar noch profitieren können. Dass bei manchem Zeitgenossen daher der bittere Eindruck entsteht, der griechische Nationalstaat habe abgedankt und sich nun engültig dem Diktat eines entfesselten Finanzkapitalismus unterworfen, verwundert nicht.

Betrachtet man die jüngste Berichterstattung zur Griechenland-Krise aus diskursanalytischer Sicht, fällt sofort auf, wie konsequent und kontinuierlich die Ereignisse durch eine dedizierte Auswahl von Sagbarem und Nichtsagbarem in der Berichtertstattung gedeutet und erklärt werden:

  • Mit dem hundertfach reproduzierten stereotypen Bild des zu gut bezahlten, faulen und zu früh in Rente gehenden “Griechen”, der erst noch andere EU-Länder bescheisst, werden Emotionen und Ressentiments geschürt, denen selbst renommierte Zeitungen nicht widerstehen. Mancher Zeitungsleser und Fernsehzuschauer ist geradezu erleichtert darüber, das an sich hoch komplexe Problem auf so einfache Art und in derart althergebrachten Kategorien gedeutet zu erhalten. Umso einfacher für die Troika-“Experten”, ihre Strategien unwidersprochen in die Tat umzusetzen.
  • Ebenfalls fällt auf, wie die bereits dem Vertrag von Lissabon zugrundeliegende unzutreffende Behauptung, dass staatliche Kreditvergabe mehr zur Inflation beitrage als die der Geschäftsbanken, ad nauseam wiederholt wird. Ein Schelm, wer auf die Möglichkeit hinweist, die Behauptung sei vor allem von Banken aufgestellt worden, die durch eine Begrenzung der Monetarisierung von Haushaltsdefiziten an der Finanzierung ebendieser Defizite  kräftig verdienen wollen.
  • In Deutschland insbesondere wird zusätzlich noch mit einer bewussten Verzerrung historischer Erinnerung operiert. Hohe EZB-Vertreter betonen bei jeder Gelegenheit, dass es aufgrund des Risikos einer Hyperinflation unverantwortbar wäre, dass die EZB dem Staat Geld leiht – und beschwören dunkle Erinnerungen an die Zeit der Weimarer Republik. Das ist unsinning. Denn: Die Hyperinflation war schlicht eine Folge der enormen Reparationsforderungen, die keine noch so hohe Besteuerung der eigenen Bevölkerung hätte decken können. So blieb in der Tat nur die Notenpresse, um Reichsmark zu drucken, die anschliessend an den Devisenmärkten getauscht wurden, um die Reparationsverpflichtungen in den Währungen der Allierten zu bezahlen.

Es ist bedauerlich, dass viele Menschen die gegenwärtige Krise in Griechenland nicht zuletzt aufgrund der verzerrten Berichterstattung falsch deuten und nicht erkennen, welch mahnendes Beispiel die griechischen Ereignisse dafür sind, wie eine ungebremste Ökonomisierung zu enormen Verwerfungen in der Gesellschaft führt und dem Modell einer verantwortungsvollen Marktwirtschaft, die sich angesichts demographischer und geopolitischer Entwicklungen in den nächsten Jahren ohnehin grossen Herausforderungen gegenübergestellt sieht, diametral entgegenläuft.

(1) ‘Grossteil der EU-Staaten erhöht Mindestlohn’, Spiegel Online, 3. März 2011, http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,748841,00.html

(2) ‘Kabinett billigt Sparpläne’, Frankfurter Allgemeine, 11. Februar 2012, http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/kabinett-billigt-sparplaene-wir-muessen-den-krieg-um-griechenland-gewinnen-11645624.html

(3) ‘Der Krieg der Banken gegen das Volk’, Frankfurter Allgemeine, 3. Dezember 2011, http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/die-herrschaft-der-finanzoligarchie-der-krieg-der-banken-gegen-das-volk-11549829.html

1968, wo bleibst Du? Kurzes Nachdenken über Gesellschaftskritik im Jahre 2012.

Kategorie: Gesellschaft, Politik

(13.02.12) Da ich 1968 auf die Welt gekommen bin, begleitet mich die besondere Physiognomie dieses Jahres bis heute. Als Kind verstand ich nicht genau, was 1968 war, war von dieser mythischen Chiffre aber umso faszinierter. In den achtziger Jahren dann verbrachte ich als Schüler viele Stunden in der Freihandausleihe der Zentralbibliothek und stöberte nach Büchern zum Thema. Da ich es selbst nicht erlebt hatte, wollte ich mir 1968 zumindest, so gut es ging, erlesen.

Unzählig die mit Freunden anlässlich der “Jubiläumsjahre” 1988, 1998 und 2008 geführten Diskussionen, ob sich die Ereignisse von damals wohl eines Tages wiederholten. Nach Finanzkrise und heterogen-ephemerer Occupy-Wallstreet-Bewegung sowie angesichts der aktuellen EU-Schuldenkrise wird die Frage in Feuilletons und TV-Talkrunden dezidierter diskutiert denn je: Wo bleibt eine kohärente Kritik von links? Wo ist das politische studentische Bewusstsein von 1968 geblieben? Die Antwort nimmt sich meiner Meinung nach ebenso reduktionistisch wie erschreckend aus: Die soziale Verfasstheit unserer westlichen Demokratien hat sich in den letzten 25 Jahren radikal verändert. Während beispielsweise die bundesrepublikanische 68er-Generation zwar in einem Staat sozialer Enge, schamloser Kontinuität der Eliten und verdrängter Schuld gross geworden war und nicht zuletzt dagegen auf die Strasse ging, kannte sie häufig keine Angst vor wirtschaftlicher Prekarität und Exklusion. Studienplätze und Arbeit gab es in den späten Boomjahren genug. Und wer mal arbeitslos wurde, den versorgte der Staat grosszügig. Heute, wo bereits Schüler und Studenten einem gnadenlosen Konkurrenzdruck unterworfen sind und immer mehr Unternehmen selbst hochspezialisierte Jobs ins billigere Ausland auslagern, herrscht eine regelrechte Angst vor dem Schreckgespenst sozialen Abstiegs und der damit verbundenen Verbannung aus der (Konsum-)Gesellschaft. Manch ein Student blickt nach seinem Abschluss einer mehr als unsicheren beruflichen Zukunft entgegen, manch bürgerliche Idylle ist permanent bedroht von der Angst, die Inszenierung der Bürgerlichkeit ökonomisch nicht mehr durchhalten zu können.

Marie Jahodas und Hans Zeisels Klassiker der empirischen Arbeitslosenforschung aus den 1930er Jahren, Die Arbeitslosen von Marienthal, zeigte schon damals, was mit Menschen passiert, die keine Arbeit mehr haben oder Angst haben, diese zu verlieren. Es kommt nicht zur Revolte und zu gemeinsamen Aktionen des Widerstandes, sondern zur Vereinzelung des Einzelnen und zur Entsolidarisierung der Gesellschaft. Angst vor Arbeitslosigkeit und der Zustand, keine Arbeit zu haben, machen passiv und müde, rauben dem Individuum jegliche Kraft. Dies gilt heute für unsere westlichen Gesellschaften in einem globalisierten geopolitischen Kontext umso mehr und stellt eine besondere Herausforderung dar.

Was also ist zu tun? Nun, lasst uns die alten Klassiker der Gesellschaftskritik neu lesen und daraus eine aktualisierte Kritik des Kapitalismus formulieren, die so ästhetisch ist wie eine Hochglanzbroschüre und nicht nur Verstand, sondern auch Herz und Emotionen anspricht. Klingt zugegeben etwas überspitzt und plakativ, aber wir sollten eines nicht vergessen: Linke Positionen lassen sich in der “Originalverpackung” heute schlicht nicht mehr an den Mann bzw. an die Frau bringen. Mancher Alt-Linke würde sich zwar beim Gedanken, linke Gesellschaftskritik als Produkt und ihr Erfolg als strategische Marketingaufgabe zu verstehen, im Grabe umdrehen, aber nur so lässt sie sich heute wieder erfolgreich vermitteln. Und schliesslich braucht die Linke eine gehörige Portion frischen Muts und Selbstvertrauens, um endlich zum programmatischen Gegenschlag auszuholen, nachdem sie das idelogische Feld nach dem Ende des schrecklich unattraktiven Experiments des real existierenden Sozialismus viel zu lange neoliberalen Schwätzern, Individualismuspredigern und einer geradezu grotesken Ökonomisierung aller Lebenssphären überlassen hat. Es ist Zeit, den alten Marx vom staubigen Regal zu holen, für die heutige Zeit fit zu machen und mit einer gehörigen Portion “Swag” zu versehen.

Lesetipps zur neuen sozialen Frage:

Lesetipps für 1968-Interessierte:

Chet Baker: Live at Ronnie Scott’s (1986)

Kategorie: Musik

(12.02.12) In der Welt des Jazz gibt es kaum einen anderen Musiker, der ein so wechselvolles Leben gehabt hätte wie der 1988 im Alter von 58 Jahren verstorbene Chet Baker.

Mit seinem feinfühligen Trompetenspiel und melancholischen Gesang ist Chet Baker bereits mit 23 Jahren ein Superstar. Erfahrungen mit harten Drogen bringen den jungen Mann aus Oklahoma allerdings auch schon früh mit dem Gesetz in Konflikt. Verhaftungen, Gefängnisaufenthalte und finanzielle Problemen häufen sich, bis in den sechziger Jahren der eigentliche Absturz beginnt, der damit endet, dass Baker in einer Schlägerei mit Junkies im Jahre 1966 seine Vorderzähne verliert und nicht mehr Trompete spielen kann. Ganz unten angekommen, begibt sich die einstige Ikone des Cool-Jazz in ein Methadonprogramm, lässt sich von Musikerfreunden eine dringend notwendige Operation bezahlen und beginnt, mit einer Zahn-Prothese wieder zu üben. 1973 gelingt Baker ein viel beachtetes Comeback. Obwohl er seine Drogensucht nie ganz überwindet, bleibt er bis zu seinem Tode im Jahre 1988 ein überaus produktiver und erfolgreicher Gast auf den Bühnen und in den Studios dieser Welt.

Ein intimer musikalischer Moment aus Bakers spätem Schaffen wurde 1986 in Londons bekanntestem Jazz-Club aufgenommen. Live at Ronnie Scott’s zeigt einen alternden Musiker, gezeichnet von einem Leben, das sich stets am Abgrund bewegte. Doch kaum setzt Baker die Trompete zum ersten Ton an, erlebt der Zuschauer eine musikalische Ausdruckskraft und Authentizität, wie sie unmittelbarer und überzeugender nicht sein könnte. Der starke Kontrast zwischen Bakers eingefallenen Gesichtszügen und der traurigen Schönheit seines Spiels lässt den Zuschauer die Tragik dieses Jazz-Heroes, in dessen Biographie das Schöne mit dem Hässlichen so eng verwoben ist, erahnen und diesen Abend nicht so schnell vergessen.

Begleitet wird Chet Baker von Michel Graillier am Piano und Ricardo del Fra am Bass. Als Gesangsgäste treten Van Morrison (“Send in the clowns”) und Elvis Costello (“The very thought of you”, “You don’t know what love is”) auf.