Vor 45 Jahren: S-Bahn-Peter klingelt bei der Kommune 1

u_bahnjpg

Peter Urbach, der bei Mitgliedern der antiautoritären Szene aufgrund seiner früheren Beschäftigung bei der S-Bahn den Spitznamen „S-Bahn-Peter“ erhielt, gehört zweifelsohne zu den schillerndsten Figuren der 68er-Bewegung.

Als Urbach im Jahre 1967 zum ersten Mal bei der Kommune 1 in Berlin auftaucht, verblüfft er so manchen Kommunarden durch sein kleinbürgerliches Aussehen, das so gar nicht zu Klassenkampf und subversiven Aktionen passen will. Doch sein Geschick im Basteln von Sprengsätzen und Hantieren mit Waffen lässt ihn in der Szene schon bald zum gefragten Experten werden.

Was viele damals nicht ahnen: Als Agent des Berliner Verfassungsschutzes hat Urbach den Auftrag, Informationen über den militanten Kern der antiautoritären Szene in West-Berlin zu sammeln. Bei dieser Gelegenheit stiftet er aktiv zu gewaltsamen Aktionen an und liefert dazu auch gleich die passenden Molotowcocktails und Sprengsätze. Anfang 1970 wird „S-Bahn-Peter“ enttarnt, sagt einige Monate später noch im Prozess gegen Horst Mahler wegen Beihilfe bei der Gefangenenbefreiung von Andreas Baader aus und verschwindet dann unter neuer Identität auf Nimmerwiedersehen.

Vor dem Hintergrund der oft diskutierten Frage, ob die spätere RAF kontingent aus der Peripherie einer orientierungslos gewordenen 68er-Bewegung entstanden oder vielmehr aus deren Zentrum gekommen sei, ist die Urbach-Geschichte nicht uninteressant, denn sie zeigt, wie von staatlicher Seite mit Hilfe eines „agent provocateur“ wie Urbach versucht wurde, latent vorhandene Gewaltbereitschaft in offene Gewalt überzuführen, um so die Bewegung zu diskreditieren und strafrechtlich gegen ihre Exponenten vorgehen zu können. Diese verdeckten Aktionen haben ihren Teil zur Radikalisierung der Szene beigetragen, wobei unklar bleibt, wie wirksam sie letztlich waren.

Mögen zwischen den damaligen Ereignissen und heute auch mehr als vier Jahrzehnte dazwischenliegen: Das dahinterliegende Prinzip bleibt aktuell und mahnt zur Skepsis vor einem allzu unbeschwerten Umgang mit scheinbar plausiblen Deutungsmustern politischer Radikalisierung und Gewalt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *